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»Die Messe gibt mir immer einen Kick« – Interview mit Gerhard A. Meinl, 1. Vorsitzender des Bundesverbandes der deutschen Musikinstrumenten-Hersteller e.V.
»Ausgeprägtes Qualitätsbewusstsein und Jahrhunderte lange Erfahrungen begründen den Ruf der Mitglieder des Bundesverbandes der Deutschen Musikinstrumenten-Hersteller. Handwerkskunst, gepaart mit Kreativität und Flexibilität – typisch für den Mittelstand – sind weitere Grundlagen, um am Markt erfolgreich zu sein. Mit dem Ziel, ihre Interessen wirkungsvoller vertreten zu können, haben sich die Musikinstrumentenbauer 1962 zu einem Bundesverband zusammengeschlossen.« So beschreibt sich der Bundesverband der deutschen Musikinstrumenten-Hersteller e.V. in einer Publikation selbst. Über die Arbeit des Bundesverbandes sprachen wir im Vorfeld der Musikmesse mit seinem 1. Vorsitzenden Gerhard A. Meinl.
Seit 1986 gehören Sie dem Vorstand des Bundesverbandes der deutschen Musikinstrumenten-Hersteller e.V. an, seit 10 Jahren sind Sie dessen 1. Vorsitzender. Wie hat sich in den über 20 Jahren Ihrer Verbandstätigkeit die Verbandsarbeit verändert?
Gerhard A. Meinl: »Der Verband hat sich neuen Aufgaben gestellt, die über die klassische Verbandstätigkeit der Interessensvertretung gegenüber Behörden, anderen Verbänden, in Gesetzgebungsverfahren, Auslandsmesseorganisation usw. hinausgehen. Heute sind wir vielmehr auch im Markt für unsere Mitglieder tätig, nämlich im Sinne der Marktvergrößerung: ›Make more Music Makers !‹ Diesbezüglich sind wir vermehrt in die Musikpädagogik mit dem Programm Klassenmusizieren für Blas-, Streich- und Perkussionsinstrumente eingestiegen und haben jährlich in einer eigenen Akademie 500 Lehrer in der Ausbildung. Wir sind an 6 Hochschulen bzw. Universitäten mit Lehraufträgen zu dem Programm vertreten, denn wir wollen das Musizieren im Regelunterricht verankern. Und so sind wir zugleich von einer winzigen Wirtschaftlobby zu einer anerkannten Kulturlobby geworden. Zudem bearbeiten wir den Makrt mit Forschungsprojekten, die wir für unsere Mitglieder im Verband für alle bündeln, um die Innovationskraft der deutschen Unternehmen zu erhalten – derzeit machen wir das über das Musikinstitut in Zwota einem Institut der FH Zwickau und der TU Dresden im Fachbereich Raumfahrttechnik.«
Wie hat sich die Musikinstrumenten-Branche aus Ihrer Sicht seitdem verändert?
Gerhard A. Meinl: »Nun bei uns gibt es sehr wenige überraschende ›Rechtsüberholer‹, aber einerseits gab es bei den Herstellern weltweit erhebliche Konsolidierungen zu größeren internationalen Firmengruppen, im angesprochenen Zeitraum fiel der eiserne Vorhang, die Musikinstrumenten VEBs der DDR wurden privatisiert oder geschlossen, neue Märkte taten sich auf und vor allem trat verstärkt und bestimmend China auf den Plan und zwar als Hersteller, als auch als Markt.
Auf welche Innovationen der Musikinstrumenten-Hersteller blicken Sie persönlich besonders gerne zurück? Welche erwarten Sie für die Zukunft?
Gerhard A. Meinl: »Nun vertritt unser Verband vornehmlich die klassischen Musikinstrumentenhersteller und die sind eben klassisch, das heißt es gibt Mode-Erscheinungen und Detailverbesserungen. Die Erfindung des Saxophons liegt halt auch schon lange zurück. Aber wenn auch aus einem anderen Feld, so haben die ›Silent Mutes‹ eben auch erfreulich das Musizieren mit akustischen Musikinstrumenten in heutigem Wohnumfeld erleichtert.«
Sie haben sich in Bayern für die Einführung des Klassenmusizierens mit Bläser-, Streicher- und Perkussionsklassen eingesetzt und unterstützen das NRW-Projekt »Jedem Kind ein Instrument« (JEKI). Außerdem fordern Sie Ihre Branche auf kindgerechte, qualitative und begeisternde Musikinstrumente anzubieten. Viele sinnvolle Maßnahmen. Würden Sie uns Ihre Einschätzung über die derzeitige Musikförderung von Kindern und Jugendlichen in Deutschland geben?
Gerhard A. Meinl: »Es gibt zu wenig, vor allem zu wenig an den Regelschulen, im Pflichtunterricht und dabei würden die Kinder dadurch nicht nur schlauer, sondern auch sozial kompetenter. Ich sehe dabei aber sowohl das Projekt ›JEKI‹ (Jedem Kind ein Instrument), als auch den Weg zu Ganztagsschulen als große Chance. Die Politiker haben es endlich kapiert.«
Aufgrund der demographischen Entwicklung in Deutschland hat der Deutsche Musikrat in Kooperation mit dem Hessischen Rundfunk, hr4 im Sommer letzen Jahres zum ersten Mal den »Musikpreis 50+« ausgeschrieben. Ausgezeichnet wurden herausragende Beispiele für gemeinsames Musizieren ab dem 50. Lebensjahr in den Bereichen »Generationen-übergreifendes Arbeiten«, »Musikvermittlung 50+«, »Interkulturelles Musizieren« und »Musik in der Therapie und der Pflege«. Wie haben Sie als Jurymitglied dieses Projekt erlebt?
Gerhard A. Meinl: »Es war besonders vielfältig und eine große Zahl von Bewerbungen gingen ein und waren zu beurteilen. Wie da so manche ›Oldies‹ (wieder) losrocken macht Spaß und es ist ja zu bedenken, dass sich heute ein 60jähriger wie ein 50jähriger vor 20 Jahren fühlt, die Lebensabschnitte auch mit dem Rentenalter neue Zyklen einnehmen werden und Musik erfüllt jedes Leben, jedes Alter.«
Wie beurteilen Sie die wirtschaftliche Lage des Musikinstrumentenmarktes und damit verbunden die Stimmung der Branche im Hinblick auf die kommende Musikmesse in Frankfurt?
Gerhard A. Meinl: »Natürlich halten wir alle den Atem an und blicken auf den größten Einzelmarkt die USA und das Konsumverhalten dort. Zudem ist der Starke Euro gegenüber dem US-Dollar, aber auch Yen für die hier produzierenden Firmen ein zusätzlicher Faktor. Zwar merken die Amerikaner das erst mit etwas Zeitverzug, denn anders als wir sind sie nicht gewohnt Wechselkurse in der Tageszeitung zu verfolgen, aber dann kommen eben die Stornos später. Außerdem sind wir in Deutschland einer Konkurrenz mit den US-Produzenten ausgesetzt, wozu auch China zählt. 2007 lief gut und die meisten unserer Mitglieder melden trotzdem volle Auftragsbücher für 2008 schon vor der Musikmesse, aber aus obigen Gründen bleiben die Holzaugen wachsam.«
Was wird Sie auf der Musikmesse 2008 in erster Linie interessieren? Worauf werden Sie sich besonders freuen?
Gerhard A. Meinl: »Die Messe gibt mir immer einen Kick, denn ›Trust me I am in Sales‹. Und dabei freue ich mich immer alle meine ›Compitimates‹ zu treffen, um mich mit ihnen zu messen und bin zugleich gespannt welche meiner Produkte diesmal plagiiert wurden und meiner Anwaltskanzlei Freude machen werden. Aber ansonsten präsentieren wir auf musikpädagogischer Seite am 14. März um 15:30 Uhr im Forum 3.1. Lehrern unser Notenwerk für das Klassenmusizieren, das in der Lage sein wird sogar die verbindlichen Lehrpläne in Bayern zu erfüllen.«
Vita
Gerhard A. Meinl wurde 1957 in Kempfenhausen/Oberbayern geboren. Er studierte Jura und Philosophie in München und Fribourg/Schweiz und war danach zunächst als Anwalt tätig. 1987 übernimmt er nach einer Lehre als Metallblasinstrumenten- und Schlagzeugmacher den elterlichen Betrieb für Metallblasinstrumentherstellung. Diesen baut Gerhard A. Meinl unter Erwerb des VEB Blechblas- und Signalinstrumente in Markneukirchen/Klingenthal in Sachsen zur JA Musik GmbH aus, zu der auch der Musikaliengroßhandel SML, der Oboenhersteller Marigaux in Frankreich, Sternberg in Ungarn und AWM in den USA zählen. Seit 1986 gehört er dem Vorstand des Bundesverbandes der Deutschen Musikinstrumenten-Hersteller (BDMH) an, dem er seit 1998 als 1. Vorsitzender vorsteht. Seit 1990 ist Gerhard A. Meinl auch Kuratoriumsmitglied Deutsche Musikinstrumente und war von 2002 bis 2005 im Präsidium von CAFIM, dem euorpäischen Musikindustrieverband La Conferderation des Associations des Facteurs d´Instrument und seither auch im stearing committee der Global Coalition of the Music Industry. Von 1989 bis 1993 diente er im Vorstand der International Trumpet Guild, seit 1994 auch bei der International Association of Tuba and Euphonium, deren Vizepräsident er seit 2003 ist. Er war President of the Fodens Courtois Brass Band in England (1997-2000), 1. Vorsitzender des Kuratoriums Vogtländische Musikwettbewerbe (1998-2002) und ist seit 2005 im Kuratorium der Akademie für Musikpädagogik in Mainz. Derzeit ist Gerhard A. Meinl Mitglied der Vollversammlung der IHK München und Oberbayern, Stadtrat von Geretsried (seit 1986) und 2. Bürgermeister, sowie Kreisrat (seit 1990) von Bad Tölz-Wolfratshausen und im Aufsichtsrat div. privater und kommunaler Gesellschaften.
Kontakt
Bundesverband der deutschen Musikinstrumenten-Hersteller e.V.
www.musikinstrumente.org
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