Music Mail 01.2008
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Jost Nickel
 
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»Es ist wichtig, in allen Stilistiken bewandert zu sein« – Interview mit dem Jan Delay-Schlagzeuger Jost Nickel

Als Schlagzeuger von Jan Delay tourt Jost Nickel seit Mitte 2006 mit dem Nummer-Eins-Album »Mercedes Dance« im Gepäck durch die Lande. Spätestens seit der Veröffentlichung der vom Publikum begeistert aufgenommenen Live CD »Mercedes-Dance-Live« ist offensichtlich, wie gut diese Kombination funktioniert. Jost Nickels Spiel passt perfekt zu Jan Delays Musik.

Studiert hat Jost am Drummers Collective in New York und sich unter anderem als Drummer/Musical Director bei Mousse T. (feat. Andrew Roachford, Emma Lanford & Omar) aber auch Seeed und Marla Glen oder Randy Brecker einen Namen gemacht. In Deutschland weitgehend unbemerkt hat er quasi nebenbei im Verlauf der letzten Jahre mehrere Top 10 CDs in Frankreich und Belgien eingespielt.

An der Popakademie Mannheim und an der Musikhochschule in Hamburg (Popkurs) ist er als Dozent tätig und schreibt seit Mitte 2005 eine Workshopreihe für das Magazin »Drums&Percussion«. Im Vorfeld der Musikmesse sprachen wir mit Jost Nickel, der Endorser für Sonor-Schlagzeuge und Meinl-Becken ist.


Von welchem Moment an in deinem Leben wusstest Du, dass Du den Beruf des Schlagzeugers einschlagen wirst und was änderte sich ab diesem Zeitpunkt für Dich?

Jost Nickel: »Gewünscht habe ich mir das schon als Kind, aber gewusst habe ich es erst, als ich nach meiner Teilnahme am Popkurs an der Musikhochschule in Hamburg eben dorthin gezogen bin und dort sehr viele Profimusiker gesehen habe, die mir diesen Beruf vorgelebt haben. Ab da habe ich mir erst vorstellen können, dass man mit Schlagzeugspielen zu Geld kommen kann. Ich hatte dann auch einen sehr guten Einstieg in die Hamburger Musikszene und konnte bald auf zusätzliche Finanzspritzen aus meinem Elternhaus verzichten. Ansonsten hat sich nicht viel geändert, da ich auch schon davor jede freie Minute mit Musik verbracht habe.«

Du hast schon bei vielen unterschiedlichen Projekten als Schlagzeuger mitgearbeitet: Jan Delay & Disko No.1, Mousse T., Seeed, Achim Reichel, Inga Rumpf, das NDR Sinfonieorchester, um nur einige zu nennen. Woher kommt Deine Musikalische Vielseitigkeit?

Jost Nickel: »Ich habe 1991 am Drummers Collective in New York studiert und dort wurde uns immer wieder gesagt, wie wichtig es ist, in allen Stilistiken bewandert zu sein und immer offen für neue Dinge zu sein. Das habe ich sehr ernst genommen und mich sehr genau mit allen möglichen Stilistiken beschäftigt. Später bin ich genauso offen mit den Musikrichtungen der verschiedenen Bands umgegangen und habe mich sogar gefreut und freue mich immer noch, wenn ich durch meine Gigs zu der Auseinandersetzung mit mir nicht ganz so geläufigen Stilistiken komme.«

Du bist Sonor- und Meinl-Endorser. Im Herbst hast Du für Sonor eine Workshop-Tour durch Deutschlands Musikläden absolviert, auf der Du die Sonor »Force-Serie« vorgestellt hast. Bei Deinen Projekten arbeitest Du mit den Sonor-Modellen »SQ 2« und »Delite«. Erzähl uns ein wenig über die Zusammenarbeit mit Sonor und Meinl.

Jost Nickel: »Ich arbeite seit 2006 mit Sonor und Meinl zusammen. Ich wollte einfach gerne mit deutschen Firmen zusammenarbeiten, da ich dadurch viel direkteren Kontakt zu ihnen habe und auch meine Ideen in Bezug auf die Instrumente einbringen kann. Natürlich ist das Wichtigste für mich die Qualität der Instrumente, von der ich mich aber vor Beginn der Zusammenarbeit gründlich überzeugen konnte. Ich hoffe sehr, dass dies der Beginn einer langjährigen Zusammenarbeit ist. Die Workshoptour hatte Sonor unter das Motto ›Force Series Tour‹ gestellt, da Sonor gerne auf die Vorzüge dieser eher günstigen Serie verweisen wollte, was auch gut geklappt hat. ›Privat‹ spiele ich dann aber doch die Topserien, da die natürlich klanglich noch mehr zu bieten haben.«

Schlagzeug und Bass müssen vor allem in der Jazz-, Rock- und Pop-Musik eine rhythmische und musikalische Einheit bilden. Für Schlagzeuger die oft in anderen Besetzungen spielen, bedeutet das, sich immer wieder neu auf den Bassisten einzulassen müssen. Wie ist das bei Dir? Hast Du »Lieblingsbassisten«, mit denen Du Dich »blind« verstehst?

Jost Nickel: »Ich muss immer mit einem Bassisten spielen, mit dem ich mich musikalisch gut verstehe, ansonsten kommt einfach keine Freude auf. Zum Glück werde ich oft nach meiner Meinung gefragt, da es den Leuten ja auch bewusst ist, dass es zwischen dem Schlagzeuger und Bassisten keine Missverständnisse geben sollte. D.h. ich kann oft ein Wörtchen mitreden, wenn's um die Auswahl des Bassisten geht. Natürlich gibt es ein paar, mit denen ich besonders gerne spiele. Das sind zum Beispiel Ali Busse von Jan Delay, James Eller, mit dem ich von Februar bis Mai zu tun haben werde und Mark Smith, mit dem ich sehr oft im Studio zusammenarbeite. Früher habe ich noch sehr viel mit Arnd Geise gespielt, den ich immer noch sehr schätze.«

Wie sieht Deine musikalische Planung für das Jahr 2008 aus?

Jost Nickel: »Von Februar bis Ende Mai bin ich mit einer französischen Sängerin namens Jenifer unterwegs, die in Frankreich ein großer Star ist, aber hier so gut wie unbekannt ist. In den 2 Tourpausen nehmen wir die neue CD mit Jan Delay & Disko No.1 auf und ab dem Sommer beginnt dann wieder die Festival Saison. Ich werde auch auf einigen reinen Drummerfestivals spielen, z.B. dem Beyerdynamic Drumday und dem Meinl Drumfestival. Dort spiele ich dann alleine, also ganz ohne Bassist. Die genauen Termine veröffentliche ich immer auf meiner Homepage.«

Du bist im Moment in Asien unterwegs. Wieder ein neues musikalisches Projekt? Oder ein Urlaubstrip, um Dich von den vielen Tourneen der letzten Zeit zu erholen?

Jost Nickel: »Urlaub in Thailand. Sehr entspannt!«

Mit welchen Erwartungen gehst Du auf die Musikmesse 2008 in Frankfurt?

Jost Nickel: »Ich kann dieses Jahr leider nur einen Tag kommen, da ich genau zu der Zeit gerade in Frankreich auf Tour bin. Aber am 13.03. werde ich den ganzen Tag für die Firma Meinl auf der Messe spielen. Grundsätzlich mag ich an der Musikmesse, dass ich dort so viele Leute treffe, die ich lange nicht gesehen habe und sogar solche, die ich bisher nur vom Telefon kannte. Für mich überwiegt also in jedem Fall der Netzwerk-Gedanke und nicht so sehr das Informieren über Neuheiten.«


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