Ausstellerfeature Knaggs Guitars

25 Jahre hat Joe Knaggs bei einem der erfolgreichsten Gitarrenhersteller der vergangen Jahre gearbeitet: bei Paul Reed Smith Guitars. Als einer der ersten Mitarbeiter 1985 arbeitete Joe zunächst als Finish-Experte - er hat unter anderem das sogenannte „Double-stain“-Verfahren entwickelt, dass die Ahorn-Decken noch besser zur Geltung bringt - dann als Produktions-Manager, später als Chef-Designer und Leiter der Privat-Stock-Abteilung, in der aus edelsten Hölzern und Materialien Custom-Shop-Instrumente auf Kundenwunsch gefertigt wurden. Joe war außerdem bis zu seinem Ausscheiden Chef der R&DAbteilung und hat viele der aktuellen PRS-Modelle entworfen. Viele der in der R&D- und Private-Stock-Abteilung entstandenen Ideen wurden danach in die normale Produktion übernommen.

Mitte 2009 verließ Joe die Firma auf eigenen Wunsch, um sich als Gitarren-Designer selbstständig zu machen. Joe kann sich durchaus vorstellen, auch für andere Marken Instrumente zu designen, im Moment gilt sein Focus aber seinem eigenen Projekt, das unter dem Namen Knaggs Guitars auf den Markt kommen wird.

Unterstützt wird Joe von der neuen Firma Brandwolf Consulting des ehemaligen PRS Director of Global Sales & Markting, Peter Wolf, der sich um die geschäftliche Seite des Unternehmens und den Aufbau der Marke kümmert. Peter Wolf ist seit 35 Jahren in der Branche und mit den Stationen Prosound Koblenz, PRS-Germany Koblenz und PRS Guitars, USA sicherlich ein erfahrener Partner für Knaggs Guitars, wenn es um das Bauen einer Marke und das Schaffen von globalen Vertriebs-Strukturen geht.

Musikmesse: Welche „Modelpolitik“ können wir bei Knaggs Guitars in den kommenden Jahren erwarten?

Peter Wolf: Dazu muss ich etwas weiter ausholen. Meiner Meinung nach haben in den letzten 70 Jahren zwei Hersteller den klassischen Gitarrenmarkt dominiert: Fender und Gibson. Keine der beiden Marken hat es aber meiner Meinung wirklich geschafft, Gitarristen des anderen Lagers 'rüberzuziehen' oder konkurrenzfähige Designs anzubieten, die den jeweils anders gepolten Gitarristen ansprechen. Stell Dir die Welt der Gitarristen als 'monogame' Individuen vor. Wenn du ein L.P. Mann bist, probierst Du vielleicht andere Hersteller aus, aber deine Richtung ist irgendwie vorgeprägt. Du bevorzugst eingeleimte Hälse, Humbucking sounds und gewölbte Decken. Wenn Du den 'Twang' Sound willst, spielst Du (auch) Fender, irgendwann. Wenn Du ein F-Camp Fan bist (lange Mensur, 6-on-a-side Kopfplatten, Single Coils, flache Korpusse, geschraubte Hälse), probierst Du vielleicht Suhr oder Tyler oder andere Anbieter aber Du wirst immer wieder zu Fender zurückkehren, zumindest um zu sehen, was sie machen. Wenn du jemanden findest, der das, was du suchst oder willst, besser oder zumindest so macht, dass du 'angezogen' davon wirst, wirst Du es probieren. Wir werden Alternativen fuer beide „Lager‘ anzubieten, auf einem hoffentlich hohen Niveau.

Ich glaube, dass Joe das Zeug hat, als erster Designer/Gitarrenbauer Modelle zu entwickeln, die beide 'Lager' fesseln und hoffentlich klassische Designs werden, so dass sie das Ganze wesentlich interessanter machen, auf jedem Level! Außerdem kann ich mir sehr gut vorstellen, dass er auch für andere Marken designt, obwohl der Fokus natürlich im Moment bei Knaggs Guitars liegt.

Was mich und Brandwolf angeht: Ich habe in den letzten 30 Jahren einige Marken global angeschoben: Hamer, Rocktron, PRS, Soldano…, um mal einige zu nennen. Jetzt mache ich das mit Joe und Knaggs Guitars und mit anderen Marken, die passen. Der Unterschied bei Knaggs Guitars ist: Ich bin ein Teil davon, von Anfang an. Das sollte genug Motivation sein, es so gut wie moeglich zu machen! Meine Verbindungen und Freundschaften der letzten 30 Jahre werden dazu positiv beitragen, so hoffe ich zumindest. Außerdem macht es Spaß, an etwas Neuem beteiligt zu sein und neue Verbindungen und Strukturen zu schaffen. Der Weg ist das Ziel.

Musikmesse: Wie müssen wir uns die Arbeit von Joe Knaggs als Gitarren-Designer vorstellen? Was ist beispielsweise zuerst da, der Sound oder die Optik? Bekommt z.B. eine eher weich klingende Gitarre auch eine weichere und rundere Form? Und eine eher härter klingende Gitarre ein kantigeres Design? (Bezogen auf die komplette Ausstattung.)

Peter Wolf: Die Form ist immer der Anfang. Alle aktuellen Formen des Gitarrenbaus gehen auf Designs zurück, die in Italien im 16. / 17. und 18. Jahrhundert entstanden sind. Nimm eine Martin D-18 (die Gitarre, die Ian Anderson von Jethtro Tull immer gespielt hat). Stell dir die flach vor, mit einer gewölbten Decke und Tonabnehmer und du hast eine Les Paul. Oder die Fender Stratocaster Kopfplattenform.; Schau dir die original Bigsby Modelle an. Im Grunde genommen „leiht“ jeder von der Vergangenheit. Innerhalb dieser Gruppe von Firmen, die leihen (weil Gitarristen im Grunde sehr konservative Menschen sind, zumindest was Formen angeht oder weil die Formen, die die Italiener erfunden haben, funktionieren) gibt es welche, die größtenteils nachmachen und es gibt welche, die versuchen, ihr eigenes Design zu etablieren. Meiner Meinung nach kann man eine Marke nur langfristig als Klassiker etablieren, wenn man sein eigenes Ding macht, also an die Vergangenheit angelehnte Formen, Designs und Ideen umsetzt, um den Gitarrenbau weiterzubringen, was Aussehen, Bespielbarkeit und Funktionalität angeht, aber zugleich genug Eigenes einbringt, um nicht in die lange Liste der Copy-Cats einzugehen. Wenn man soviel Erfahrung hat wie Joe, ist es natürlich einfacher, die Spreu vom Weizen zu trennen. Das beschleunigt den Fortgang. Was die Vorstellung von einem spezifischen Sound oder 'Vibe' angeht, ist Ausprobieren immer der beste Weg. Erst wenn die Seiten drauf sind, weißt du wirklich, wo du stehst. Vorher ist vieles Spekulation.

Musikmesse: Du wirst Joe Knaggs mit Deiner Firma Brandwolf Consulting in Sachen Marketing und Markenaufbau unterstützen. Gibt es hier schon konkrete Maßnahmen und Ziele für 2010?

Peter Wolf: Es gibt keine Abkürzungen wenn man richtig gute Gitarren bauen will und etwas Neues entwickelt. Ich werde Knaggs Guitars so gut ich kann promoten und versuchen, die Produkte mit den richtigen Leuten zusammenbringen, auf einem globalen Level. Das gilt für Händler, Vertriebe, die Medien, bekannte Gitarristen/Rockstars, aber es betrifft auch die Kommunikation mit den Menschen, die am wichtigsten sind: die Endverbraucher. Leute, die lieber eine Gitarre als ein neues Auto kaufen. Die Menschen, die einen Teil ihres Einkommens für Musik und Musikmachen ausgeben. Wir haben nicht vor, das Rad neu zu erfinden. Wir haben auch nicht vor, so groß wie Gibson oder Fender zu werden. Dafür leben wir sowieso nicht lange genug (lacht). Wir wollen gute Instrumente bauen, unsere Ideen verwirklichen und mit Menschen zusammenarbeiten, die wir mögen. Wir wollen weiterhin Teil dieser Branche sein, einer der interessantesten Branchen, die es gibt.

Musikmesse: Du bist seit 35 Jahren weltweit in der Gitarrenbranche unterwegs. Wie unterscheiden sich Gitarrenmärkte in den USA, in Europa und in Asien?

Peter Wolf: Die Märkte sind eigentlich ziemlich ähnlich. Die Japaner sind detailbesessener als die Amerikaner und die Europäer. In Amerika und Europa ist dafür der Bezug zur musikalischen Entwicklung der letzten 100 Jahre viel ausgeprägter und sicherlich ein Teil der Kultur. Wir hatten damals bei Prosound in Koblenz immer ein Schild an der Gitarrenwand hängen, auf dem stand: "Bitte kein stairway to heaven, please“. Das würden Asiaten gar nicht verstehen. Asien ist erst 'auf dem Sprung', wenn man so will. Wenn die mal zwei oder drei Generationen mehr (Rock'n Roll culture) hinter sich haben, wird der asiatische Markt eine wesentlich größere Rolle spielen, was den Verkauf von Musikinstrumenten, speziell Gitarren, angeht. Auch insofern ist das Engagement der Musikmesse in China durchaus lobenswert und sinnvoll. Aber auch Europa wird eine größere Bedeutung haben als bisher. Der frei Warenaustausch innerhalb der EU und die Öffnung der osteuropäischen Märkte spielen dabei eine wichtige Rolle.

Musikmesse: Auf der Musikmesse werden die ersten Modelle von Knaggs Guitars der Öffentlichkeit vorgestellt. Wieso habt ihr euch gerade für Deutschland entschieden?

Peter Wolf: Das war relativ einfach. Aus timing-Gründen hätten wir die 'launch' auf der NAMM 2010 im Januar in Anaheim eh nicht geschafft (lacht). Der wichtigere Grund ist aber, dass ich es mir als Deutscher (und langjähriger Aussteller auf der Musikmesse Frankfurt) nicht nehmen lassen wollte, die Messe mehr in den Mittelpunkt zu rücken und dort zuerst auszustellen. Ich habe die Musikmesse in Frankfurt immer unterstützt so gut ich konnte. Wenn wir mal ehrlich sind, ist die Musikmesse sowieso die bessere 'Show', vor allem für Verbraucher. Die Amerikaner haben lediglich den Vorteil, dass sie die erste Messe eines jeden Jahres in unserer Branche ausrichten dürfen. Ansonsten kochen die auch nur mit Wasser.


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