Pro Mail 02.2007
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»Wenn Du Bands abmischen willst, muss Du einfach damit anfangen, Bands zu mischen.« – Interview mit Bodo Schulte

Der Sounddesigner und Soundengineer Bodo Schulte wird dieses Jahr mit einem Opus in der Kategorie Sounddesign ausgezeichnet. Er erhält den Preis für seine Arbeit mit der Band Schiller, bei der er während deren »Tag und Nacht«-Tour 2006 für den Live-Surround-Sound (4.1) verantwortlich zeichnete. Aus diesem Anlass sprachen wir mit Bodo Schulte.


Als gelernter Keyboarder haben Sie sich schon früh mit elektronischen Musikinstrumenten beschäftigt. Neben dem Erlernen der Spieltechnik mussten Sie auch ein großes technisches Verständnis aufbringen, um das Instrument zu beherrschen. Die perfekte »Lehrzeit« für Ihren heutigen Beruf als erfolgreicher Sounddesigner und Soundengineer?

Bodo Schulte: »Meiner Meinung nach ist es für einen Sounddesigner und Soundengineer sehr hilfreich, wenn nicht sogar ein Muss, ein Musikinstrument zu spielen. Und nicht nur ›so ein bisschen‹, sondern schon recht fortgeschritten. Dadurch erlernst du erst die musikalischen Grundkenntnisse, die du brauchst, um diesen Job gut zu machen. Wenn dann noch kompositorische Erfahrungen dazukommen, ist das umso besser. Du lernst, wie sich die Instrumente im Klangbild verhalten. Beim Live-Sound ist das fast noch wichtiger, da z.B. eine Gitarre mit einem schlechten Sound das ganze Klangbild zerstören kann. Ein Sounddesigner sollte das Wissen und die Erfahrung haben, einen Gitarristen beraten zu können, wenn dieser falsch liegt. Es kann ja sein, dass sein Sound sich auf der Bühne, im InEaring, super anhört. In der Halle, zigtausendmal verstärkt, kommen jedoch solche Unsauberkeiten viel mehr zum Tragen, als der Gitarrist es sich vielleicht vorstellen kann. Viele meiner Kollegen spielen ein Instrument auf gutem Niveau und haben oft selbst viele Jahre in Bands gespielt.«

Sie werden als Sounddesigner und Soundengineer für Studio- und Live-Produktionen gebucht. Im Studio haben Sie Zeit zum Experimentieren und Ausprobieren. Als FoH müssen Sie oft schnelle Entscheidungen treffen, um einen optimalen Live-Sound zu erreichen. Wie bereiten Sie sich auf diese unterschiedlichen Einsätze vor?

Bodo Schulte:
»Im Studio hast du ›Zeit ohne Ende!‹ Na ja, nicht wirklich. Aber ich kann mich schon sehr intensiv mit den Klängen beschäftigen. So kann ich z.B. mit der Audiosoftware Pro Tools von Digidesign Sounds austauschen, die bei der Aufnahme vielleicht nicht optimal waren. Wenn ich eine neue Band betreue, die ich nicht kenne, lasse ich deren Sound beim ersten Konzert erst einmal auf mich wirken. Auch einen Tag mit der neuen Band im Proberaum zu verbringen, kann sehr hilfreich sein. Da kommt es zunächst nicht so sehr darauf an, wie die CD klingt, sondern was die Band live zu bieten hat – wie spielen sie ihre Instrumente und welche Sounds benutzen sie. Für mich stellt sich dann die Frage, wie kann ich mit dem Gespielten einen Live-Sound erschaffen, den die Zuschauer klasse finden.«

Sie haben als FoH mit unterschiedlichsten Musikerinnen und Musikern wie z.B. Sasha, De-Phazz, Rhabi Abou Khalil, The Golden Gospel Singers, Yvonne Catterfeld, Marianne Rosenberg, Andrea Berg, Nena oder Schiller zusammengearbeitet. Kommen Ihre Auftraggeber mit klaren Live-Sound-Vorstellungen zu Ihnen? Hat Sascha beispielsweise eine Vorliebe für eine bestimmte Vocals-Einstellung oder gibt Christopher von Deylen von Schiller die einzusetzenden Effektgeräte vor?

Bodo Schulte:
»Eigentlich gibt es von den meisten Künstlern keine großen Aussagen zu diesem Thema. Vielleicht so etwas wie: ›Es muss fett klingen‹. Oftmals ist es das Management, welches hier Anregungen gibt: beispielsweise ›Vocals zu laut‹ oder ›Vocals zu leise‹. Bei Schiller hatte ich immer völlig freie Hand. Von Deylen findet es im Gegenteil sehr spannend, dass der Live-Sound sich von der CD unterscheidet. Das macht mir natürlich am meisten Spaß. Je interessanter, desto besser. Alle Effekte sind erlaubt. Diese Tatsache zeichnet dann auch den Live-Sound von Schiller aus. Mir ist es bei meinen Live-Jobs immer wichtig, nicht den Studio-Sound der CD nachzustellen, sondern etwas Eigenes zu erschaffen. Es gibt nichts Langweiligeres, als wenn der Live-Sound eine auditive Abbildung der Studio-CD ist.«

Wann und wie fingen Sie an, Surround-Systeme auch bei Live-Einsätzen zu benutzen?

Bodo Schulte:
»Das erste Mal für die Schiller ›Live (Er)leben‹-Tour im Jahre 2004. Dort waren die Signale aber noch nicht so durchdacht wie 2006. Damals habe Ich alles noch ›von Hand gefahren‹. Für die ›Tag und Nacht‹-Tour haben wir dann im Winter angefangen, Surround-Tracks mit Pro Tools vorzuproduzieren: also Pads, Effekte und Atmosphären des ›Tag und Nacht‹-Studio-Albums in ein 4.0-Format zu bringen. Zu diesen fertigen Surround-Tracks kamen dann noch allerlei Echtzeiteffekte hinzu, z.B. Gitarrensoli, die durch den Raum fliegen, Vocal-Echos, die nur im Surround zu hören sind, oder Percussion-Sounds, die als Effekt noch hinten wandern.

Was waren die Highlights, was die Pannen bei Schillers »Tag und Nacht«-Tour, bezogen auf Ihre Arbeit als verantwortlicher Sounddesigner und Soundengineer der Tournee?

Bodo Schulte:
»Die ganze Tour war ein Highlight! Nein, Spaß beiseite. Die Aufzeichnung der DVD war soundmäßig auf jeden fall der Höhepunkt. Die Phillipshalle in Düsseldorf ist einfach eine gut klingende Halle. Außerdem ist sie auch hervorragend für den Surround-Einsatz geeignet. Die Band war nach zehn Konzerten super eingespielt. Da die Ränge der Halle nicht offen waren und die Kapazität ungefähr bei 4.000 Besuchern lag, kamen sehr viele in den Genuss der Surround-Effekte. Fast alle Zuschauer haben sich auf der Saalebene befunden.

Die Tiefpunkte bei dieser Tour waren immer die Hallen, die für den Surround-Sound so gar nicht geeignet waren. Z.B. das berühmte Capitol in Hannover. Die Hälfte der Zuschauer stand auf dem Balkon. Um einen Balkon mit Surround zu versorgen, wäre ein technischer Aufwand nötig gewesen, den eine Tour in dieser Kategorie nicht rechtfertigen würde. Da kam dann schon mal der ein oder andere Zuschauer zu mir und fragte, wie das denn nun mit dem angekündigten Surround-Sound sei. Rein technisch ist die Tour ohne Probleme abgelaufen. Wir hatten ein Backupsystem für die Zuspieler laufen, aber das Hauptsystem ist nie ausgefallen.«

Was können Sie jungen Menschen raten, die auch Sounddesigner und Soundengineer werden wollen. Wie sehen Sie in diesem Zusammenhang die Ausbildungssituation für Ihren Berufsstand in Deutschland? Sollte z.B. zu einem Ton- und Bildtechnik-Studium geraten werden?

Bodo Schulte:
»Nun, eine allseits beliebte Frage. Eigentlich gibt es diesen Berufsstand ja gar nicht. Es kommt darauf an, wo ich hin möchte. Will ich z.B. an einem Theater oder beim Rundfunk arbeiten, dann ist ein abgeschlossenes Ton- und Bildtechnik-Studium sicherlich förderlich. Wenn ich allerdings als Freiberufler arbeiten möchte und Bands abmischen will, muss ich einfach damit anfangen, Bands zu mischen. Vielleicht die Schulband in der eigene Schule oder die Punkband aus dem Proberaum von nebenan. Mal in ein Tonstudio ›reinschnuppern‹ ist auch sehr hilfreich. Aus den Fehlern, die du notwendigerweise dabei machst, lernst du am besten. Die oben angesprochene Instrumente-Ausbildung ist auch sehr ratsam. Wenn du in einer Band spielst, kommst du automatisch früher oder später in ein Tonstudio, um Songs aufzunehmen. Von hier aus geht es dann weiter. Das Talent zu dem Job zeigt sich sehr schnell: Den Drummer interessiert das Aufnehmen, und er schaut dem erfahrenen Tonstudiomann auf die Finger, während der Sänger lieber die Fan-E-Mails durchliest.«

Welche Produktionen werden Sie in den kommenden Monaten betreuen?

Bodo Schulte:
»Ein paar Einzelshows mit Andrea Berg. Dann, nach Ostern, mit den Golden Gospel Singers eine Tournee durch die Niederlande. Die Tour von Yvonne Catterfeld wurde ja leider aus gesundheitlichen Gründen abgesagt. Schiller wird erst wieder im Frühjahr 2008 auf Tour gehen. Im Sommer sind noch ein paar Einzelshows im Ausland geplant.«


Vita
Bodo Schulte wurde am 6. Juli 1967 in Hagen geboren. Nach einer Klavierausbildung spielte er in den achtziger Jahren in diversen Hagener Bands, bevor ihn 1992 das Stadttheater Hagen für verschiedene Musicalproduktionen als Keyboarder verpflichtete. In dieser Zeit unterrichtete Bodo Schulte auch an den städtischen Musikschulen in Hagen und Herdecke die Fächer Klavier und Keyboard. Von 1990 bis 1997 war er als freier Tontechniker für Studios in Bochum und Lüdenscheid tätig. Seit 1992 wird er von verschiedenen Beschallungsunternehmen (u.a. Westfalen Sound, Schallwand und Satis & Fy) als Techniker und Soundengineer für die unterschiedlichsten Produktionen gebucht. Bodo Schulte war bei Tourneen, Festivals und Großveranstaltungen für den Live-Sound u.a. von Sasha, De-Phazz, Rhabi Abou Khalil, The Golden Gospel Singers, Yvonne Catterfeld, Marianne Rosenberg, Andrea Berg, Nena, Schiller oder Rock am Ring verantwortlich.


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